Ein Bisschen Hintergrund
AUF HALBEM WEG ZUM HIMMEL erzählt von Visionen und jener Kraft, die wohl in jedem von uns steckt. Außer, dass unsere Protagonisten vielleicht ganz besonders eigensinnig und stur sind.
„Die Bewohner von LA AURORA haben eine solche Klarheit und Energie entwickelt, die erlebt zu haben, ich nicht missen möchte“, sagt Co-Regisseur Ulrich Miller.
Mehr als zwölf Jahre hat es gedauert, AUF HALBEM WEG ZUM HIMMEL zu produzieren. Ein wenig Sturheit und Eigensinn waren also wohl auch bei den Regisseuren vorhanden. Oder wie die Bewohner von LA AURORA witzelten: „Ach, ihr macht immer noch den Film.“ Nun ja, wie sagte der ehemalige Staatsanwalt, als ihm deutlich nahegelegt wurde, diesen einen Fall besser nieder zu legen: „Wir dachten, es wäre unethisch und unsolidarisch der Gemeinde gegenüber, die uns so sehr unterstützt hat.“
Filmreporter.de:
Interview mit den Regisseuren Andrea Lammers und Ulrich Miller
"Ricore: Können Sie die politischen Hintergründe kurz skizzieren, die damals die Vertreibung ausgelöst hat?
Lammers: Von 1944 bis 1954 erlebte Guatemala den sogenannten demokratischen Frühling. Sie hatten einen Präsidenten, der demokratisch gewählt worden war und Landreformen veranlasst hatte. Dieser Entwicklung wurde von einem Putsch, der durch die CIA unterstützt wurde, ein jähes Ende gesetzt. Von da an übergab eine Militärdiktatur der nächsten die Macht. Auch hat man geübt, Aufstände zu bekämpfen, bevor es überhaupt Aufständische gab. Ab den 1960er Jahren fingen die Aufstände allmählich an, und es entwickelte sich eine Art Guerilla. Doch diese war in den 1970er Jahren geschlagen. Sie versuchte Anfang der 1980er Jahre wieder Fuß zu fassen. Als die Aufständischen in Nicaragua die Macht übernahmen, gab es in Guatemala wieder Hoffnung, die arme Bevölkerung dort ebenfalls einen Wechsel herbeiführen könnte. Doch dies war nicht der Fall. Stattdessen wurden die Aufstände gewaltsam bekämpft. Das waren die Massaker, die sich Ende der 1970er bis Mitte der 1980er Jahre ereigneten."
Das ganze Interview mit den Regisseuren finden Sie hier
Quetzal.de:
"Eine Reise durch die Geschichte und durch den Schmerz - Teil I"
von Andrea Lammers (Auszug)
"Anderthalb Jahre nach den Dreharbeiten für den Dokumentarfilm AUF HALBEM WEG ZUM HIMMEL bin ich wieder in Guatemala gelandet. Vierzehn Jahre Pendeln zwischen meinem zentralamerikanischen Geburtsland und meinem ständigen Wohnsitz Deutschland liegen hinter mir. Vor mir: die Filmpremiere am Ort seiner Entstehung.
Ein merkwürdiges Gefühl, die Stufen zum verspiegelten Gebäude von SEPAZ hinaufzusteigen, die Eingangstür quietscht und klemmt, Bauarbeiter machen sich im Treppenhaus zu schaffen. Bis zum Friedensschluß 1996, nach 36 Jahren Bürgerkrieg, war hier eine der Macht- und Mordzentralen des guatemaltekischen Staates, der Sitz des Generalstabs des Präsidenten. Heute empfängt mich Glenda Barillas mit einem freundlichen Lächeln. Die Protokollchefin von SEPAZ erklärt mir den Ablauf der bevorstehenden Feierlichkeiten zum zehnten Jahrestag der Übergabe des Berichtes der guatemaltekischen Wahrheitskommission. „Kommission zur Aufklärung der Vergangenheit“ (CEH) hieß sie eigentlich, denn 1999 wagte es noch niemand, die Forschungsergebnisse offiziell als ‚Wahrheit’ zu bezeichnen: Dass über 200.000 Guatemaltekinnen und Guatemalteken Opfer staatlichen Verschwindenlassens und Ermordens wurden, die meisten davon zu Beginn der achtziger Jahre, als die Armee in einigen überwiegend von Maya-Bauern bewohnten Landesteilen mindestens 669 Massaker beging, die als Völkermord eingestuft wurden. Am Tag der Würdigung der Opfer solle unser Film gezeigt werden, sagt Glenda. Zuvor werde Präsident Alvaro Colom öffentlich den Bericht aus der Hand des damaligen CEH-Vorsitzenden und Berliner Völkerrechtsprofessors Christian Tomuschat entgegennehmen – ein Akt, den Coloms Vorgänger Alvaro Arzú vor zehn Jahren verweigert hatte."
Den ganzen Artikel, der auf der Seite des Online-Magazins Quetzal erscheint, finden Sie hier
Eine Momentaufnahme aus dem Dorf Xamán in Guatemala
Von Klaus Höfler, Wiener Zeitung, 15. September 2000
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