Alles zum Film "Auf halbem Weg zum Himmel"

"Auf halben Weg zum Himmel" - mehr als nur Kino

Andrea Lammers und Ulrich Millers sehr mitnehmendes Dokumentationswerk "Auf halbem Weg zum Himmel" beschäftigt sich in erster Linie auf sehr unverschönte und anprangernd realistische Art und Weise mit der bewegenden Geschichte, die sich in den vergangenen 50 Jahren in Guatemala abspielte. Somit handelt es sich um einen Film voller Gewalt, Völkermord, Hass und Unterdrückung der Schwächeren. Dennoch, oder wahrscheinlich gerade deshalb, handelt es sich bei "Auf halbem Weg zum Himmel" aber auch um eine durch und durch bewegende und sehenswerte Dokumentation.

Natürlich geht es in "Auf halbem Weg zum Himmel" weniger um hollywood-verschönerte Liebesdramen und es spielen auch Schuhe von verschiedenen Designern keine wirklich große Rolle. Ebenso wenig sollte der Zuschauer allzu knifflige Filmstränge und Protagonistenhandlungen erwarten, denn der Film beruft sich auf ganz andere Schwerpunkte.

Ein Film, den das Leben grausam schrieb

Mehr als 650 Massaker hielten in den 60er Jahren die übergreifend aus Indios bestehende Bevölkerung Guatemalas in Atem. Jahrelang schaffte es die Militärjunta, die 1954 die Macht im Land mithilfe der Vereinigten Staaten an sich gerissen hatte, Angst und Schrecken zu verbreiten. Dinge, die sich aber auch lange nach der feindlichen Besatzung immer noch in jeder Landesecke spüren ließen. 1980, nachdem viele Indios hoffnungsvoll nach einer Flucht in ihr Land zurückgekehrt waren, kam es zu weiteren Blutbädern... und es sollten noch zahlreiche folgen. Mit diesen Zeiten, aber auch mit der heutigen Sicht der Dinge und mit den Umständen, mit denen die Hinterbliebenen der Opfer und die Überlebenden noch heute zu kämpfen haben, beschäftigen sich Lammers und Miller. Und das auf erschreckend und gleichzeitig absurd ruhige Art und Weise. In dieser Dokumentation wird einfach auf die Sprache der eingefangenen Bilder gesetzt. Hier und da gibt es natürlich Interviews mit Betroffenen und eingeblendete Erzählungen und Erklärungen der Geschichte und der Hintergründe. Diese dienen aber einzig und allein dazu, die Bilder zu unterstreichen.

Während des Films bewegen wir uns als Zuschauer sehr behutsam durch die Trümmer und Überbleibsel der kleinen und bescheidenen Siedlung "Xamán", die sich nun "La Aurora 8 de Octubre" nennt (zu Deutsch "Die Morgenröte des 8. Oktobers"). Es ist das Jahr 2006 und eigentlich sollten Ruhe und Ordnung herrschen. Eigentlich, denn nichts ist so, wie es einmal war und wie es wohl sein sollte. Dennoch steht ein positives Ereignis im Vordergrund: nämlich das nahende Fest am kommenden 8. Oktober. 13 Jahre ist es her, dass die in "La Aurora 8 de Octubre" lebenden Indios mit ihren Familien, oder mit dem was von diesen übrig blieb, zurück nach Hause gekehrt sind. Als Zuschauer merkt man schnell, dass die Stimmung - obwohl die traumatischen Erinnerungen nach wie vor allgegenwärtig sind - dennoch unerwartet sanft und beinahe heiter ist. Im Mittelpunkt stehen die Festvorbereitungen und Kleider für jede Jahreszeit. Und die Einwohner erinnern sich, gemeinsam mit dem Kamerateam, warum es letztendlich überhaupt einen Grund zum Feiern gibt...

Eine Geschichte über Menschen, die ewig kämpfen werden

Die teilweise mitreißende und teilweise auch sehr schmerzliche Dokumentation ist Lammers und Millers Debüt und fasst Filmmaterial zusammen, welches streckenweise sogar noch aus den Unruhen der 90er Jahre stammt. Zum Teil handelt es sich hierbei um Material aus den eigenen Beständen der Filmemacher, aber auch aus Materialien von Zeitzeugen, sowie um Aufzeichnungen aus damaligen TV-Berichten, Interviews und Kurzdokumentationen. Wahrscheinlich ist das mitunter einer der tragenden Gründe, warum das Werk sehr realitätsnahe und unverblümt wirkt - auch wenn topaktuelle Damenschuhe nicht thematisiert werden. Im Mittelpunkt stehen aber weniger die geschichtlichen und grausamen Hintergründe, sondern eindeutig mehr die Menschen, die in Guatemala bis zum bitteren Ende um ihre Rechte gekämpft haben. Menschen, die sichtlich heute noch innerlich kämpfen. Positiverweise gelingt es den beiden den schwierigen Grad zwischen dramatischer, allzu distanzierter und auch reißerischer Darstellung gelungen und dem Thema sehr gerecht zu überschreiten und zu verbinden.

Menu

  • Ein Dokumentarfilm, der den Zuschauer fordert
  • Hintergründe zum Film
  • Vom Massaker bis zum Film
  • Eine traurige Geschichte - die Politik des Landes
  • Guatemala - ein Land im Mittelpunkt
  • Meine Reise
  • Zweite Reise nach Guatemala
  • Auf halbem Weg zum Himmel - Was der Film macht
  • "Auf halben Weg zum Himmel" - mehr als nur Kino

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